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Wie das Internet den Wahlkampf verändert: Bierzelt oder Blog? Eine Buchkritik

12. Juni 2010 | Von Julia Löcherbach | Kategorie: Top-Themen, Über den Tellerrand
Bierzelt oder Blog? (Cover)

Bierzelt oder Blog? (Cover)

In den letzten Jahren hat sich der Wahlkampf durch das Internet merklich verändert. Zumindest war es so beim Präsidentschaftswahlkampf von Barack Obama. Wie sieht es in Deutschland aus? Setzen auch hierzulande Parteien und Politiker auf das Web 2.0 und lohnt sich das überhaupt?

Dieser Frage geht Andreas Elter in seinem im März erschienenen Buch “Bierzelt oder Blog? Politik im digitalen Zeitalter” nach. Der Autor ist Studiengangleiter für Journalistik an der privaten Macromedia Hochschule für Medien und Kommunikation. Zuvor war er 15 Jahre lang als Redakteur und Reporter beim WDR, ZDF und bei RTL tätig. Man kann also davon ausgehen, dass er sowohl die klassischen Wege kennt, als auch die neuen digitalen Medien.

Der Titel des Buches ist ein wenig irreführend, denn der Schwerpunkt liegt ganz eindeutig auf der Blog-Seite, d.h. wie sich Parteien und Politiker im Internet präsentieren und wie ihr Wahlkampf in diesem Medium bei der Bundestagswahl 2009 aussah. Vorher jedoch wird im ersten der drei Teile “Das Vorbild” betrachtet, d.h. wie in Amerika der Präsidentschaftswahlkampf 2008 ablief. Ein abschließender Vergleich macht deutlich, dass die Übertragung von den USA nach Deutschland aufgrund politischer und demographischer Unterschiede nicht so einfach ist.

Im Hauptteil des Buches (Die Analyse) wird die “heiße Phase” des Bundestagswahlkampfs betrachtet, d.h. die vier Wochen vom 1. bis 27. September 2009. Elter wirft einen Blick auf die Webauftritte der Parteien und welche Arten von sozialen Netzwerken sie wie nutzen. Auffällig ist die durchgängige Kleinschreibung aller neuen Medienkanäle (twitter, newsletter, facebook, youtube, aber: studiVZ), was wahrscheinlich eine Folge der verwirrenden Schreibweisen im täglichen Gebrauch ist und somit für das Buch die einzig konsequente Möglichkeit.

Die Beschreibung der Webseiten und Medienarten wird für jede (im Bundestag vertretene) Partei einzeln gemacht und es liest sich teilweise wie ein Schulaufsatz à la “Was ich in den Ferien erlebt habe”. Natürlich ist es schwierig, fünf Mal das Gleiche zu erzählen und Jeden gleich zu behandeln, aber mit ein paar Bildern hätte die ausführliche Beschreibung der einzelnen Seitenelemente und Links etwas knapper ausfallen können. Andererseits ist das kleine Format des Buches (18 x 12 Zentimeter) schlecht für Bilder geeignet. Elter kommt jedenfalls zu dem Schluss, dass die Parteien größtenteils nicht im Web 2.0 angekommen sind, da sie eher auf Information denn auf Kommunikation setzen.

Sowohl im Hauptteil, als auch im dritten Teil (Die Bewertung) werden einzelne Blogger und Twitterer zitiert. Elter hat eine Vorauswahl getroffen und nur die wichtigsten und bekanntesten Vertreter ausgewählt (z.B. netzpolitik.org, nachdenkseiten.de), aber eine teilweise willkührlich anmutende Auswahl von Tweets und Kommentaren verwendet. Die Darstellung des allgemeinen Querschnitts wurde dadurch nicht erreicht, sondern eher eine verzerrte Momentaufnahme aufgrund der Hervorhebung einiger von Millionen von Tweets. Die komplette Auswertung von Print und Fernsehen soll seit März auf der Seite des Studiengangs verfügbar sein, aber dort lässt sich nichts finden.

Insgesamt liefert das Buch für den interessierten Leser ein kompaktes Bild zur Fragestellung ab. Wobei der “interessierte Leser” hier wahrscheinlich Politik- oder Kommunikationsstudent ist, der eine gute Referenz zum Thema Politik 2.0 sucht und sich eine Menge Analyse- und Recherchearbeit ersparen möchte. Verantwortliche im Wahlkampf werden dieses Buch wohl leider nicht lesen, obwohl es ihnen zu empfehlen wäre, wie Elters Arbeit gezeigt hat.

Bild: Verlag

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Familienfeier-Atmosphäre bei Leonce und Lena

5. Juni 2010 | Von Julia Löcherbach | Kategorie: Kultur, Top-Themen

Am vergangenen Mittwoch führte die Laien-Theatergruppe “die VerkaNnten” Georg Büchners Leonce und Lena auf. Die informelle Natur der Aufführung wurde schon dadurch klar, dass dem Zuschauer freie Platzwahl im Rubenowsaal der Stadthalle gelassen wurde – und der Eintritt mit 3 Euro auch eher gering war.

Die Geschichte der beiden Hauptfiguren ist absurd zu nennen: Sie sollen zwangsvermählt werden, laufen davon, treffen und verlieben sich unbekannterweise. Bis hierhin eine allseits bekannte Situation, die jedoch ungewöhnlich aufgelöst wird. König Peter, Leonces Vater, ist verzweifelt, da die Hochzeit nicht stattfinden kann und lässt es zu, dass eine Truppe Verkleideter eine Ersatzhochzeit durchführt. Natürlich handelt es sich hierbei um die beiden Königskinder, deren Streich nach hinten losging, da sie genau die vorgesehene Verbindung eingegangen sind, die sie zu verhindern versucht hatten.

Leonce und Lena: Hofstaat in Aufruhr

Leonce und Lena: Hofstaat in Aufruhr

Unter der Leitung von Theaterpädagogin Barbara Gottwald entstand die kurzweilige Inszenierung. Eingeläutet wird das Stück mit einer Parade der zehn Darsteller, die mit Klatschen und Anfeuerungsrufen aus dem Publikum begleitet wurde. Der Spaß kommt also nicht zu kurz, was dem Lustspiel angemessen scheint. Allerdings schrieb der damals 23-jährige Büchner das Stück durchaus mit politischen Untertönen und Anspielungen. Dazu gehören z.B. Bezeichnung Popo und Pipo, der winzigen Königreiche, aus denen Prinz Leonce und Prinzessin Lena stammen. Die überspitzten Formulierungen werden augenzwinkernd und mit angemessener Selbstironie  präsentiert. Besonders schön gelang das Natalie Bachmaier als König Peter. Alle Rollen bis auf Leonce (Christoph Waak) werden von Frauen gespielt, was die Absurdität weiter verstärkt.

Die musikalische Untermalung stammt von der Band Haindling aus ihrem Album Schrilles Potpourri – Das Beste ohne Worte von 1995. Größtenteils passt die ungewöhnliche Instrumentalmusik, stellenweise hat man jedoch das Gefühl, einem PUR-Konzert im Rahmen einer Folge Großstadtrevier beizuwohnen.

Wer sich ebenfalls 75 Minuten lang unterhalten lassen will, hat dazu am 22. Juni um 20 Uhr erneut Gelegenheit. Karten gibt es online, telefonisch (03831 / 26 46 6) oder an der Theaterkasse (Di – Fr 10 – 18 Uhr).

Bilder: Theater Vorpommern

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Der Citylauf aus Sicht eines Mitläufers

16. Mai 2010 | Von Julia Löcherbach | Kategorie: Greifswald, Top-Themen

Gestern Nachmittag war es also soweit, dass ich meinen spontanen Entschluss, beim Citylauf mitzumachen, in die Tat umsetzen musste. Gerade einmal vier Wochen Training habe ich absolviert und überhaupt keine Ahnung, welche Zeit es werden sollte. Aber das war auch nicht wichtig, denn das Ziel war “Durchhalten!”.

Flyer des 4. Citylaufs

Flyer des 4. Citylaufs

Vorher galt es jedoch herauszufinden, wo denn überhaupt der große Lauf stattfindet. Die Veranstaltungsseite veröffentlichte am Mittwoch, d.h. gerade einmal drei Tage vorher den Streckenplan. Dort wird fröhlich angepriesen, dass diese “sich auch 2010 nicht geändert” hat und deswegen finde ich es erst Recht unverständlich, warum man so lange damit gewartet hat. Aber vielleicht erwartete man einfach keine Neulinge, sondern nur Teilnehmer, die zum vierten Mal dabei sind?!

Abgesehen davon, klappte die Organisation für eine Veranstaltung dieser Größe ganz gut, was hauptsächlich an der unaufgeregten Ausführung lag. Das “Basislager” im Sitzungssaal des Rathauses hatte seinen eigenen Charme und war dankbarerweise gut beheizt. Jeder Läufer konnte dort seine Sachen lagern und bekam sein Lätzchen mit Startnummer und Schnipsel für die Schuhe zur elektronischen Zeitmessung ausgehändigt. Letztere konnte man nach dem Rennen gegen eine Tasse eintauschen und als Tombolalos verwenden. Zu gewinnen gab es Karten für den anstehenden Kampf von Boxweltmeister Sebastian Sylvester, der am 5. Juni in Neubrandenburg seinen Titel verteidigen wird. (weiterlesen…)

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Sponsoren und Läufer für Arfika-Benefizlauf gesucht

15. Mai 2010 | Von Julia Löcherbach | Kategorie: Top-Themen, Vereine & Initiativen
Logo Benefizlauf 2010

Logo Benefizlauf 2010

Etwas für die Gesundheit tun und gleichzeitig Spenden sammeln kann man am 30. Mai auf dem Marktplatz. Dann findet zum zweiten Mal der Benefizlauf des Greifswalder Vereins “Afrikas Renaissance und Wiederaufbau e.V.” statt (Bericht vom letzten Jahr). Es sind Sponsoren (Unternehmer und Privatpersonen) und Läufer gesucht: Erstere spenden für jede 200-Meter-Runde um den Marktplatz, die Letztere laufen. Der Betrag pro Runde wird vorher festgelegt und der Erlös fließt in die Förderung zweier kongolesischer Studenten, die seit Beginn ihres Studiums in Greifswald vom Verein unterstützt werden und für die Finanzierung von Schulgeld, Uniformen und Lehrmaterialien einer Grundschulklasse im Kongo. Im letzten Jahr liefen 77 Läufer insgesamt 3.724 Runden bzw. 744,8 km, welches der Strecke von Hamburg nach München entspricht.

Damit man als Zuschauer nicht nur den Läufern beim Rundenschrubben zusehen muss, ist ein abwechslungsreiches Rahmenprogramm mit Tanz und Musik geplant mit der Sambatrommelgruppe Chillislaps und Ali dem Rapper. Der Lauf unter dem Motto “Für eine gerechtere Welt – Aufeinander zulaufen” dauert von 15 bis 18 Uhr und anschließend findet auf dem Markt ein Dinch (Dinner + Lunch) statt, das in Kooperation mit dem Greifswalder Studentenfestival GriStuF e.V. organisiert wird.

Wer also laufen oder sponsern möchte, kann sich bei auf der Webseite des Vereins informieren und melden.

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Peer Gynt im Theater Vorpommern: Psychedelische Aufschneiderei

13. Mai 2010 | Von Julia Löcherbach | Kategorie: Top-Themen

Am vergangenen Freitag gab es eine Wiederaufführung von Peer Gynt im Rahmen des Nordischen Klangs. Henrik Ibsen schrieb sein dramatisches Gedicht 1867 und basierte es auf norwegischen Feenmärchen. Auf diesen Einfluss wird der Zuschauer erst langsam hingewiesen, denn Peer wird als Aufschneider und Schlägertyp eingeführt und erst im zweiten Akt wird es mehr und mehr überirdisch und unwirklich.

Peer Gynt und die Trolle (Christian Holm, Ensemble)

Peer Gynt und die Trolle (Christian Holm, Ensemble)

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Greifswalder Premiere von Mutter Courage: “Gebt mir ein K!”

2. Mai 2010 | Von Julia Löcherbach | Kategorie: Kultur, Top-Themen

Wie angekündigt fand am Freitag die Greifswalder Premiere von Mutter Courage und ihre Kinder statt. Das Stück von Berthold Brecht wurde 1941 uraufgeführt und spielt während des Dreißigjährigen Kriegs (siehe Wikipedia). Das Publikum wurde mit dieser Tatsache gleich zu Beginn konfrontiert, als die durch die Zuschauerraumtüren einfallenden Darsteller ihren Slogan proklamierten: “Gebt mir ein K!”, “Gebt mir ein R!” usw. Etwas zögerlich kam die Reaktion aus der Menge, aber immerhin war die Aufmerksamkeit geweckt.

Frühstück im Krieg (v.l.n.r. Grian Duisberg, Eva-Maria Blumentrath, Hannes Rittig und Anja Taschenberg)

Frühstück im Krieg (v.l.n.r. Grian Duisberg, Eva-Maria Blumentrath, Hannes Rittig und Anja Taschenberg)

Die einzelnen “Bilder” des Stücks werden jeweils im Chor durch die zwei Clowns eingeleitet. Diese Figuren (gespielt von Markus Voigt und Christian Holm) wurden von der Regisseurin Johanna Schall eingeführt und vereinigen zahlreiche militärische Figuren des Stücks, sie “bringen Konflikte, sie schüren Unfrieden, sie initiieren Störungen, sie haben Spaß.”.

Bei der Stralsunder Premiere (OZ-Bericht auf der Theater-Seite) fiel vor allem der schwäbische Dialekt von Mutter Courage und den drei Kindern auf. Dieser ist jedoch sehr verständlich und so gesprochen, wie sich “Neigschmeckte” das vorstellen und wurde außerdem nicht durchgängig beibehalten. Der Zuschauer hat also keinerlei Verständnisschwierigkeiten zu befürchten.

Hannes Rittig und Eva-Maria Blumentrath

Markt im Krieg (Hannes Rittig und Eva-Maria Blumentrath)

Die schauspielerischen Leistungen waren durch die Bank hervorragend. Ebenfalls hervorzuheben sind die zusammengewürfelt erscheinenden aber aussagekräftigen Kostüme, die die Zeitlosigkeit des Themas unterstützen. Natürlich durfte auch ein bisschen eingestreuter Humor nicht fehlen, der das ernste Thema ein bisschen auflockerte. Nach dem etwas abrupten Ende feierte das Publikum mit mehreren Minuten Beifall die Darsteller und Verantwortlichen des Stücks:

Inszenierung: Johanna Schall
Bühne: Horst Vogelgesang
Kostüme: Jenny Schall
Musikalische Leitung und Klavier: Andreas Kohl
Choreographie: Sabrina Sadowska
Dramaturgie: Catrin Darr

Wer sich selber ein Bild machen möchte, hat dazu noch vier Mal Gelegenheit:
Sonntag, 16. Mai, 16:00 Uhr in Greifswald
Samstag, 22. Mai, 19:30 Uhr, Stralsund
Sonntag, 6. Juni, 16:00 Uhr, Stralsund
Freitag, 18. Juni, 19:30 Uhr, Greifswald

Karten gibt es z.B. auf der Webseite des Theaters, telefonisch (57 22 224) oder an der Theaterkasse (Di–Fr 10–18 Uhr).

Fotos: Vincent Leifer Poster: Theater Vorpommern

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Mutter Courage im Theater Vorpommern

29. April 2010 | Von Julia Löcherbach | Kategorie: Kultur, Top-Themen

Am Freitag feiert Bertholt Brechts Stück Mutter Courage in Greifswald Premiere. Die titelgebende Mutter zieht während des Dreißigjährigen Krieges mit ihrem Wagen und ihren drei halbwüchsigen Kindern den Armeen nach. Sie lebt vom Krieg, und das nicht einmal schlecht. Da der Frieden der Händlerin die Existenzgrundlage entziehen würde, fürchtet die Courage ihn mehr als die Fortführung des Krieges. So lebt sie in einem fortwährenden Widerspruch: Einerseits glaubt sie, das Beste für ihre Kinder zu wollen, andererseits verliert sie ein Kind nach dem anderen an den Krieg. Zuerst zieht Eilif, ihr Ältester, als Soldat an die Front. Danach wird ihr Zweiter, Schweizerkas, gefangen genommen. Die Courage hat sogar die Möglichkeit, ihn freizukaufen, doch als Geschäftsfrau handelt sie so lange um die Höhe des Lösegeldes, bis es für den Sohn zu spät ist und er standrechtlich erschossen wird. Die Tochter Kattrin ist die Einzige, die im Wunsch nach Frieden lebt. Sie erfährt vom geplanten Überfall auf eine Stadt und warnt unter Einsatz ihres eigenen Lebens die Bürger vor der Gefahr …

Anja Taschenberg (Kattrin)

Anja Taschenberg (Kattrin)

Die Inszenierung von Johanna Schall verspricht interessant zu werden, denn neben den obligatorischen Modernisierungen und Kürzungen, muss das Publikum mit der Sprache zurecht kommen. Wie der Bericht von der Stralsunder Premiere angibt (Kopie des OZ-Berichts auf der Seite des Theater Vorpommern), wird schwäbisch und sächsisch gesprochen.

Für die morgige Vorstellung gibt es leider keine Karten mehr, aber in zwei Wochen, am Sonntag, dem 16. Mai, um 16:00 wird das Stück noch einmal aufgeführt. Karten gibt es  z.B. auf der Webseite des Theaters, telefonisch (57 22 224) oder mit ein wenig Glück an der Abendkasse.

Foto: Vincent Leifer. Poster: Theater Vorpommern.

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Eröffnung der Bahnparallele “Osnabrücker Straße”

24. April 2010 | Von Julia Löcherbach | Kategorie: Greifswald, Top-Themen

Gestern enthüllte Oberbürgermeister Dr. Arthur König die neu gebaute Bahnparallele, die nach der niedersächsischen Partnerstadt Osnabrück benannt ist. Wie berichtet wurde der ursprüngliche Fertigstellungstermin von Ende Dezember wegen des strengen Winters verschoben. Knapp fünf Jahre nach dem Spatenstich im Juni 2005 kann nun die gesamte Stadt ohne Bahnschranken erreicht werden.

Vereinzelte Autos fuhren schon vor Abbau der Umleitungsschilder auf der Osnabrücker Straße, die nun endlich offiziell für den Verkehr freigegeben ist. Wie Dr. König in seiner kurzen Ansprache mehrfach betonte, kostete das Projekt 31,1 Millionen Euro, von denen die Stadt 6,4 beisteuerte, die “dank vorausschauender Haushaltsführung” über die Jahre angespart wurden. Weitere 5,9 Mio Euro stammen aus Landelsförderungsmitteln und der Rest wurde nach dem Eisenbahnkreuzungsgesetz von Bund und Bahn beigesteuert.

Einige Misstöne gab es schon vor der Eröffnung, als ein besorgter Vater darauf hinwies, dass neben den neu angelegten Radwegen (3000 m) eine sichere Weiterführung in die Scharnhorststraße fehle. Herr Grothe hatte sich spontan zu dieser “Demonstration” entschlossen, weil nun nach der Öffnung der Bahnparallele seine Kinder nicht mehr alleine die Straße befahren können. OB König ging in seiner Ansprache kurz auf die Sache ein und es bleibt abzuwarten, ob weitere Baumaßnahmen erfolgen. Andere Radfahrer sprachen sich anschließend gegen die Forderungen von Herrn Grothe aus, da es doch einen zwar illegalen, aber sicheren Radweg gebe.

Fotos: Textautorin

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Zweckentfremdet: Kloschüssel auf neuem CDF-Denkmal

17. April 2010 | Von Julia Löcherbach | Kategorie: Top-Themen, Zu guter Letzt

Gestern wurde das neue Caspar-David-Friedrich-Denkmal an seinem zukünftigen Standort in der Lappstraße aufgestellt, bereits heute wurde es Zielfläche für eine merkwürdige Aktion. Den Passanten bot sich heute morgen ein unerwartetes Bild, als eine offene Kloschüssel auf einem BronzeStahlsockel neben dem Denkmal stand.

Kloschüssel auf dem CDF-Denkmal

Kloschüssel auf dem CDF-Denkmal

In den vergangenen Wochen hatte es regelmäßig Kritik an der Denkmalsaufstellung in Greifswald gegeben, wie auch auf dem webMoritz schon öfter zu lesen war. Ob die Aktion als Protest gedacht ist, bleibt jedoch unklar. Kritiker hatten bemängelt, dass das Denkmal durch eine private Initiative zustandegekommen sei, die dafür aber öffentliche Fördergelder erhalten habe. Zudem wurde bemängelt, dass die Ausschreibung für Künstler nur auf Norddeutschland begrenzt war – angesichts der Bedeutung Caspar-David Friedrichs hätte sie nach der Meinung von Kritikern, auch aus dem Capsar-David-Friedrich-Institut der Universität, international ausfallen sollen. Zudem hatte einige Politiker gestört, dass das Denkmal auf einem Privatgrundstück von Bürgerschaftspräsident und MdL Egbert Liskow (CDU) aufgestellt wurde. Die feierliche Einweihung des Denkmals ist für den 8. Mai vorgesehen.

Kloschüssel auf dem CDF-Denkmal

Kloschüssel auf dem CDF-Denkmal

Vorbeilaufende Bürger zeigten sich empört und äußerten ihren Unmut mit Sätzen wie: “Auf welche Ideen manche Leute kommen?!” Eine Passantin bemerkte treffend: “Das hat wohl jemand heute Nacht da hingestellt.”

Inzwischen erbarmte sich ein Kunstfreund und entfernte die Toilette ein wenig vom Denkmal:

Kloschüssel neben dem CDF-Denkmal

Ein Kunstfreund stellte die Kloschüssel später neben das Denkmal.

Was die Aktion sollte und ob sie überhaupt etwas mit dem Denkmal zu tun hat, ist derzeit unklar. Seitens der für das Denkmal zuständigen Helmut-Maletzke-Stiftung konnten wir heute leider niemand für eine Stellungnahme erreichen. Auf der Unterseite des Klodeckels war ein Stadtplan angeklebt, jedoch ohne weitere Hinweise auf eine beabsichtigte Aktion:

Stadtplan auf Klodeckel

Stadtplan auf Klodeckel

Bilder: Julia Löcherbach

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Was sonst noch war: webMoritz kompakt (9)

7. April 2010 | Von Julia Löcherbach | Kategorie: Greifswald, Top-Themen

Ostern ist nun vorbei und die Vorlesungszeit hat begonnen. Der webMoritz fährt wieder auf den gewohnten Betrieb hoch und als Einstimmung gibt es einen kleinen Nachrichtenüberblick mit Meldungen, die nicht groß genug für einen eigenen Artikel waren. Wir stellen im Folgenden zusammen, was sich in den letzten Tagen ereignet hat und bisher noch keinen Eingang in den webMoritz fand.

Hinweis: An manchen Stellen sind Artikel aus Online-Medien verlinkt, die nur für Abonnenten zugänglich sind oder nur für einen begrenzten Zeitraum kostenlos im Netz stehen. Daher kann es beim Aufrufen der Links zu Fehlermeldungen kommen.

Bündnis 90/Die Grünen beschweren sich über Lieferverkehr in der Innenstadt

Letzte Woche wiesen die Greifswalder Grünen in ihrem Blog darauf hin, dass die Fußgängerzone (Lange Straße) auch zu Uhrzeiten, in denen motorisierter Verkehr eigentlich verboten ist (werktags 10-18 Uhr) reger Lieferverkehr herrscht. Dadurch würden nicht nur die Bürger, sondern auch Touristen beeinträchtigt und es sehe nicht so aus, als ob die Stadt Kontrollen oder andere Maßnahmen dagegen vornehme. Deswegen möchte die Fraktion in der nächsten Ausschussrunde eine entsprechende Beschlussvorlage einbringen.
In den Kommentaren zum Beitrag wurde sich zusätzlich über rasende Radfahrer aufgeregt, die die Fußgängerzone noch mehr gefährden.

Sellering: Sprechstunde in Greifswald und angebliche Abgabe des Wahlkreises

Erwin Sellering

Ministerpräsident Erwin Sellering (SPD) wird heute von 15:00 bis 18:30 im Rathaus seine Bürgersprechstunde halten (Ankündigung). Wer sich vorletzte Woche dafür in der Staatskanzlei angemeldet hat, hat dann die Gelegenheit Fragen zu stellen, z.B. ob es stimmt, dass Sellering seinen Wahlkreis verlässt, wie die OZ am Samstag meldete. Laut einem anonymen Brief werde er im nächsten Jahr bei der Landtagswahl nicht mehr in Greifswald kandidieren. Seinen Hauptwohnsitz hatte er Ende letzten Jahres nach Schwerin verlegt und das führte wohl zu Spannungen im Ortsverein. Der SPD-Landesvorstand wiederum sei dafür, dass der Ministerpräsident über den ersten Listenplatz in den Landtag einzieht, besonders wenn es wie im vorliegenden Fall nicht gewährleistet ist, dass er in seinem Landkreis gewinnt.

Spekulationen über FDP-OB-Kandidatur in fünf Jahren

Sebastian Ratjen

Letzte Woche hielt die FDP ihren Parteitag und laut OZ gab es bereits Bemühungen, den Kandidaten für die Oberbürgermeisterwahl in fünf Jahren festzulegen. Drei Parteimitglieder wollten den Landtags- und Bürgerschaftsabgeordneten Sebastian Ratjen nominieren, aber zur Abstimmung kam es aufgrund der fortgeschrittenen Stunde nicht mehr. Nicht bei allen stieß diese Idee auf Zustimmung, weil es u.a. “eher für Erheiterung bei anderen Parteien sorgen” wird. Der derzeitige OB Arthur König (CDU) wird aus Altersgründen 2015 nicht mehr antreten können.

66 neue Studentwohnungen in der Fleischerwiese

In Greifswald liegt die Versorgungsquote mit Studentenwohnungen bei 8,5 Prozent und damit unter dem Landes- und Bundesdurchschnitt von ca. 12 Prozent. Wie die OZ berichtet, soll diesem Mangel abgeholfen werden durch den Bau zweier neuer Wohnheim-Gebäude an der Fleischerwiese. Die 66 Einzelzimmer mit Bad sollen für 230 bis 240 Euro Monatsmiete zu haben und zum nächsten Wintersemester fertig sein. Das Studentenwerk finanziert die Kosten von drei Millionen, da es seit 2003 keine staatlichen Zuschüsse mehr gibt.

Greifswald ist Fahrraddiebstahlhauptstadt

Laut den Kriminalstatistiken 2009 der Polizeidirektion Stralsund und Anklam ist die Anzahl der registrierten Fälle im letzten Jahr gesunken (von 20.431 auf 19.712 bzw. von 19.797 auf 18.579) und die Aufklärungsquote auf über 60 Prozent gestiegen. Greifswald hebt sich bei den Fahrraddiebstählen hervor, denn die 1008 Fälle (gegenüber 985 im Jahr davor) machen 40 Prozent der Diebstähle aus und die Aufklärungsquote liegt nur bei 20 Prozent.
Des Weiteren hieß es, dass mit dem Beitritt Polens zum Schengener Abkommen vor über zwei Jahren die Kriminalitätslage keine gravierende Negativentwicklung genommen hat.

Bilder: Startseite von Hermann Radeloff via jugendfotos.de, alle Artikelbilder: webMoritz-Archiv (Sellering: Christine Fratzke, Ratjen: Gabriel Kords, Motivbild Fahrrad: Cornelia Bertram via jugendfotos.de)

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