Beiträge zum Stichwort ‘ AG Uni ohne Arndt ’

Mittwoch: Showdown in der Arndt-Debatte

15. März 2010 | Von Gabriel Kords | Kategorie: Aktuell, Top-Themen, Uni-Politik

Am kommenden Mittwoch, dem 17. März, wird der Senat der Universität aller Voraussicht nach darüber entscheiden, ob sich die Universität von ihrem Namenspatron Ernst Moritz Arndt trennt oder ob sie ihn behält. Für die Namensablegung wäre die Zweidrittelmehrheit der 33 Senatoren erforderlich.

Der webMoritz wird über den Kurznachrichtendienst Twitter (hier klicken) über den Verlauf und das Ergebnis der Debatte live berichten.

Mit der Entscheidung findet die vor neun Monaten auf der Sommer-Vollversammlung der Studierendenschaft begonnene Debatte über das Für und Wider des umstrittenen Patrons zumindest ein offizielles Ende. Ob auch die streitendenden Initiativen, die Gruppe “Uni ohne Arndt” sowie die “Pro Arndt AG”, im Anschluss an die Entscheidung ihren öffentlichen Disput beenden werden, bleibt abzuwarten.

“Offizielle Arndt-Abschieds-Feier” auf dem Rubenowplatz

Logo "Uni ohne Arndt"

Vorher wird es auf jeden Fall noch einmal zur Sache gehen: Die Initiative “Uni ohne Arndt”, die den Namensstreit im vergangenen Sommer wieder auf die Tagesordnung gesetzt hatte und die Urabstimmung initiiert hatte, wird auf dem Rubenowplatz im Vorfeld der Senatssitzung ab 12 Uhr eine “offizielle Arndt-Abschieds-Feier” abhalten, wie es in einer Mitteilung auf der Homepage der Initiative heißt.

Was die Initiative dazu befugt, “offizielle” Feiern abzuhalten, sei zwar dahingestellt, geplant ist die Veranstaltung offenbar als Kundgebung gegen den Namenspatron. Sebastian Jabbusch erklärte dem webMoritz auf Anfrage, man habe nicht vor, eine übermäßig große oder laute Veranstaltung abzuhalten. Die Arndt-Gegner wollten lediglich Präsenz zeigen, womöglich ein wenig Musik machen und ihre Position abschließend noch einmal unterstreichen. Da man ja nicht wisse, ob Arndt tatsächlich verabschiedet werde, habe man sich auch von dem Namen der Feier wieder distanziert. Auf der Homepage der Initiative wird er derzeit aber noch verwendet. (weiterlesen…)

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TITEL Die Gescheiterten – Uni ohne Arndt

1. Februar 2010 | Von Moritz-Magazin | Kategorie: Hochschulpolitik, Moritz Magazin

Die Studierendenschaft hat für eine Beibehaltung des umstrittenen Namenspatrons Ernst Moritz Arndt gestimmt. Die Kampagne „Uni-ohne-Arndt“ muss eine schwere Niederlage hinnehmen. Wie konnte das passieren?

Das neue Jahr ist noch jung, doch bereits nach 15 Tagen hatte Greifswald seine erste Sensation. Eine Mehrheit der Studierenden sprach sich bei der ersten Urabstimmung der Geschichte der Universität Greifswald für eine Beibehaltung des Namenspatrons Ernst Moritz Arndt aus. Das ist ein echter Knaller, mit dem die wenigsten gerechnet haben dürften. Doch das Ergebnis an sich ist noch gar nicht das eigentlich Überraschende. Die echte Überraschung ist das grandiose Scheitern einer bis ins Detail durchgeplanten, Greifswald völlig umspannenden und alle anderen Themen überdeckenden Medienkampagne. (weiterlesen…)

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Arndt und die Bürger: Die zweite Anhörung der Namenskomission

21. Januar 2010 | Von Sandro Teuber | Kategorie: Greifswald, Top-Themen

Im St. Spiritus nahmen am vergangenen Mittwoch die Bürger Greifswalds Stellung zur Namensdebatte um Ernst-Moritz-Arndt und sprachen sich mehrheitlich für den streitbaren Pommern aus. Die Namenskommission des Senats hatte die Einwohner der Stadt geladen, um vor allem die nicht-wissenschaftlichen Aspekte  der Diskussion aufzugreifen.

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Die Senatoren Thomas Schattschneider und Prof. Hannelore Weber moderierten die Anhörung

Gut siebzig Bürger folgten dem Aufruf und beteiligten sich rege an der Diskussion, die insgesamt – und für viele überraschend – sachlich geführt wurde. Beachtenswert waren sicherlich die Vorschläge von Gisbert Menzel, Student der Greifswalder Universität von 1955 – 1960, der sich für eine Fortsetzung der Debatte auch nach der Entscheidung des Senats aussprach.  Argumente beider Seiten sollte für eine moderne Arndt-Biografie genutzt werden. Studenten sollten in Zukunft mit einer Feier immatrikuliert werden in der die Diskussion über Arndt einen Platz einnimmt. Außerdem schlug er vor, dass die Arndt-Museen, wie z.B. Garz auf Rügen einer Überprüfung unterzogen werden, um auch dort auf strittige Punkte in seiner Biografie hinzuweisen.

Professor Rosenbaum: Studenten sind nicht ernst zu nehmen

Weniger konstruktiv äußerten sich einige Emeriti der Universität. Sie drohten in Person von Herrn Rosenbaum damit, die anstehende Entscheidung des Senats nicht zu akzeptieren und warfen den Arndt-Kritikern eine mutwillige Destabilisierung der Universität vor. Er sah in Ernst-Moritz-Arndt ein Vorbild für die Befreiung von der sowjetischen Knechtschaft in der DDR und sprach den Studenten das Vermögen ab sich in ihrem jungen Alter mit dem Thema Arndt auseinander zu setzen. Sie sollten, so Rosenbaum, “erst mal Studieren, einen Abschluss machen und zehn Jahre Berufserfahrung sammeln”.

Einen Tiefpunkt erlebte die Diskussion als sich Wilhelm Parthenius, ehemaliger Medizinstudent, zu Wort meldete und Arndt, historisch etwas fragwürdig, in den Kontext des “stets friedfertigen deutschen Volkes” setzte. Bodo Müller, der sich bereits in mehreren Leserbriefen an die Ostseezeitung für eine Namensbeibehaltung ausgesprochen hatte, übte schwere Kritik an der Initiative “Uni ohne Arndt”. Den “Tapir-Comic” im Heft zur studentischen Urabstimmung verglich er mit “Karikaturen aus Goebbels besten Zeiten”.

Politik meldet sich zu Wort

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Kommunal- und Landespolitiker Sebastian Rathjen meldete sich mehrfach zu Wort und versuchte zu beschwichtigen.

Ulrich Rose in Doppelfunktion als Kreisvorstandsmitglied der Grünen und Antiquar gab zu Bedenken, dass bei einer Abschaffung des Namenspatron der Name der Stadt stärker mit der Uni transportiert werde. Das sei gutes Marketing für die Hansestadt. Sebastian Ratjen,  Kommunal- und Landespolitiker der FDP zeigte sich staatsmännisch und versuchte das Gift aus der Debatte zu nehmen indem er davon sprach das Schlechte an Arndt als Lehre zu nehmen und seine guten Taten als Beispiel für die Zukunft. Er warnte davor Arndt und seine historische Interpretation den Rechtsextremen zu überlassen.

In vielen Wortbeiträgen spiegelten sich die Emotionen wider, die einige Menschen mit der Debatte verbinden. Auch Hans-Jürgen Schumacher, Schriftsteller aus Greifswald zeigte sich recht erregt in der Debatte, konnte aber doch den wichtigen Punkt anbringen, dass Arndt für viele einfach eine Identifikationsfigur sei, unabhängig von der Geschichte. Viele Menschen seien, irgendwie mit dem Namen Arndt verbunden. Egal ob durch Schule, Straße oder Universität. Ihnen sei der Name hochgradig wichtig.

Zu den Äußerungen seines Parteikollegen Axel Hochschild, nahm der Bürgerschaftsabgeordnete Dr. Rainer Steffens Stellung. Hochschild und die Greifswalder CDU würden in keiner Weise die Unabhängigkeit des Senats angreifen, viel mehr gehe es darum den Austausch zwischen Universität und Stadt zu fördern, in dem auch die Bürgerschaft sich zur Namensdebatte äußere.

Für Mitte Februar wird im Senat eine Beschlussfassung zur Namensablegung erarbeitet werden, über die dann Mitte März abgestimmt wird. Die Namenskomission hat angekündigt Tonaufnahmen der Bürgeranhörung in den kommenden Tagen auf der Internetseite der Universität zu veröffentlichen.

Kommentar von Sandro Teuber

Der Mensch ist in der Lage zu filtern. Wichtiges von unwichtigen. Das Pulver beider Seiten ist verschossen. Neue Argumente Fehlanzeige. Was war also wichtig und gut an dieser Debatte?

Wichtig und gut waren die wenigen Hoffnungsschimmer auf einen Kompromiss, die wenigen wirklich konstruktiven Beiträge zur Debatte. Allen voran Gisbert Menzel, der interessante und gewinnbringende Vorschläge machte um Studenten, Professoren und Bürger zu einen. Ob mit oder ohne Arndt wird es nach der Debatte wichtig bleiben das Thema in der Universität am Leben zu erhalten.

Wichtig und gut ist die Debatte selbst. Wann hat es in der Geschichte dieser Universität den Zustand gegeben, dass sich alle gemeinsam, frei und kritisch zu ihren Wertvorstellungen äußern dürfen? Es ist wichtig sich selbst und seine Traditionen hinterfragen zu dürfen. Das ist gelebte Demokratie und dazu kann man nur allen Beteiligten gratulieren.

Unwichtig und schlecht sind die Verleumdung, die Vereinfachungen, die Vorurteile und Klischees mit denen beide Seiten arbeiten. Sie versperren den Blick auf das Wichtige, auf das Ziel eines Kompromisses für den es nun Zeit ist.

Fotos: Carsten Schönebeck

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Hochschild zur Arndt-Debatte: Denkt lieber an euer Studium!

11. Januar 2010 | Von Gabriel Kords | Kategorie: Top-Themen, Urabstimmung, Wahlen, Zu guter Letzt

Seit heute Morgen stimmt die Greifswalder Studierendenschaft in der ersten Urabstimmung der Geschichte der Universität über die Frage ab, ob die Uni ihren Namenspatron „Ernst Moritz Arndt“ ablegen soll oder nicht. Die Debatte berührt seit ihrem neuerlichen Ausbruch bei der Vollversammlung im Sommer 2009 nicht nur die studentische Öffentlichkeit. Aus Anlass der nun begonnenen Urabstimmung meldeten sich in diesen Tagen auch die kommunalpolitische Prominenz zu Wort. Den Anfang machte Jost Aé, jahrelanges Bürgerschaftsmitglied der SPD. Er schrieb an die Initiative Uni ohne Arndt anlässlich der auf des webMoritz veröffentlichten Gastbeitrags von Prof. Dr. Helmut Klüter unter anderem:

„Nicht die Zeiten sind verantwortlich, sondern wir sind für sie verantwortlich. Es wird sich daher zeigen, ob in unserer Alma Mater genügend weltbürgerlicher Geist und Mut herrschen, einen Namen abzulegen, dem diese Ehre nicht gebührt. Schon eine Kaserne nach Arndt zu benennen, hielte ich heute für bedenklich.“

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Axel Hochschild

Am heutigen Tage meldete sich, wie an verschiedenen Stellen im Internet (z. B. hier) zitiert wird, auch der CDU-Fraktionsvorsitzende Axel Hochschild zu Wort. Er lässt mitteilen:

“Die CDU-Fraktion hat sich auf ihrer letzten Fraktionssitzung eindeutig gegen eine Namensänderung ausgesprochen. Es gibt hierfür keine wirklichen Gründe. Wir haben als CDU-Fraktion alle anderen Fraktionen aufgerufen sich ebenfalls klar zu positionieren.”

Die CDU argumentiert dabei zunächst wirtschaftlich. In der Pressemitteilung heißt es:

„Namensänderungen sind immer mit Kosten verbunden. Gerade in den Zeiten knapper Kassen, sollte man sich genau überlegen wofür man das wenige Geld ausgeben möchte. Aus Sicht der CDU-Fraktion solle man besser daran arbeiten die Studienbedingungen, Stichwort Bologna Prozess , in Greifswald weiter zu verbessern, so Hochschild. Die jetzige Debatte sei für die Universität eher schädigend.“ (weiterlesen…)

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Arndt in der Evangelischen Studentengemeinde

7. Januar 2010 | Von Eric Schümann | Kategorie: Podcast, Top-Themen, Urabstimmung, Vereine & Initiativen

Eine Woche vor Beginn der Urabstimmung war Ernst Moritz Arndt erneut Thema einer öffentlichen Diskussionsrunde.

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Dr. Garbe bei seinem Vortrag in der ESG

Die Evangelische Studentengemeinde (ESG) hatte den Kirchenhistoriker und Arndt-Befürworter Dr. Irmfried Garbe und den Studenten Jan Steyer als Vertreter der Initiative “Uni ohne Arndt” eingeladen. Über den Ablauf und die Erkenntnisse der Diskussionsrunde diskutierten unsere Leser (mehr oder minder konstruktiv) bereits unter diesem Artikel.

Im Anschluss an die Veranstaltung sprach der webMoritz mit Jan Steyer und Arndt-Befürworter Marco Wagner.

 

Weitere Informationen:

Dr. Garbe hatte sich bereits auf der wissenschaftlichen Anhörung der Senatskomission für die Beibehaltung des Namens ausgesprochen. Seinen Vortrag findet ihr hier als PDF-Datei. Weitere verschriftlichte Vorträge und auch Tondokumente der Anhörung findet ihr auf der Uni-Homepage.

Bilder:

Logo ESG – Evangelische Studentengemeinde

Arndt Büste – Alexander Kendzia

Doktor Garbe – Eric Schümann

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“Das ist nicht unser Ernst” – Party im IKUWO

6. Januar 2010 | Von Sandro Teuber | Kategorie: Top-Themen, Urabstimmung, Vereine & Initiativen, Wahlen

Die “hedonistische Internationale inna Greifswalder Hochschule” (H.I.G.H) lädt am Samstag zu einem nicht ganz “Ernst” gemeinten Tanzabend ins Internationale Kultur- und Wohnprojekt IKuWo. Thema des Abends ist die kommende Woche geplante Urabstimmung zur Ablegung des Namens “Ernst Moritz Arndt”. Als Motto des Abends geben die Veranstalter an: “HINKOMMEN! TANZEN! ARNDT WEGBASSEN!”

Flyer zur Party

Flyer zur Party

Mit ihrer Party wollen die Hedonistinnen auf die kommende Urabstimmung hinweisen und die Leute motivieren, das Kreuz an der “richtigen” Stelle zu setzen. Auf das im IKuWo übliche Einlassverbot für eine bestimmte Klientel wird im Flyer mit den Worten hingewiesen: “Rassist_innen, Sexist_innen und andere Vollpfost_ionnen bleiben natürlich zu Hause und schreiben weiter webMoritz-Kommentare.”

Musikalisch gewohnt elektrolastig geht es los mit einem Konzert vom Elektrobär. Als DJs treten NLPN und Elektro.indie.fresse in Erscheinung. Weitere Infos auf der Hedonistinnen-Seite und auf der Homepage der Initiative Uni ohne Arndt. Auch im StudiVZ wird für die Veranstaltung geworben. Einlass ist ab 22 Uhr.

Foto: Veranstalter.

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Druckfrisch eingetroffen: Die Zeitung zur Urabstimmung

4. Januar 2010 | Von Gabriel Kords | Kategorie: Top-Themen, Uni-Politik, Urabstimmung, Wahlen

Im Internet kursierte die Infozeitung zur Urabstimmung schon seit einigen Tagen – jetzt liegt sie auch gedruckt aus. Auch auf dem webMoritz kann man sie herunterladen (Bilder rechts und links).

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Die Zeitung der Initiative "Uni ohne Arndt" (1,2 MB, pdf)

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Die Zeitung der Initiative "Pro Arndt" (1,2 MB, pdf)

Das kostenlose Heft stellt Argumente für und gegen den Namenspatron zusammen über den die Greifswalder Studenten in der kommenden Woche abstimmen sollen. Sie wurde von Mitgliedern der Initiativen “Uni ohne Arndt” und “Pro Arndt” erstellt. Für die technische Umsetzung wurde die Expertise einiger Mitarbeiter des moritz-Magazins herangezogen.

Dass die Befürworter und Gegner des Namenspatrons gemeinsam an der Erstellung gearbeitet haben, heißt allerdings nicht, dass es sich um eine Einheitliche Zeitung handelt: Die 20-seitige Publikation besteht aus zwei getrennten Teilen, die so angeordnet sind, dass man das Heft jeweils drehen muss, um den anderen Teil zu lesen (in der Internet-Ausgabe wurde das natürlich beseitigt). Innerhalb der Teile hatten die Initiativen die volle Entscheidungsfreiheit. Das Heft verfügt somit auch über zwei Impressen. (weiterlesen…)

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TITEL Ein Streitgespräch für und wider Arndt

26. Dezember 2009 | Von Moritz-Magazin | Kategorie: Hochschulpolitik, Moritz Magazin, Urabstimmung, Wahlen

Nun sag, wie hältst du’s mit dem Namenspatron?

Im Konzilsaal der Universität Greifswald traf moritz einen Vertreter der Arndt AG, Marco Wagner, sowie Jan Steyer von Uni-ohne-Arndt zu einem Gespräch.

arndtduell_81-Patrice Wangenmoritz Im Januar steht die erste Urabstimmung in der Geschichte der Universität Greifswald an. Was ist von euch noch an Aktionen geplant um die Massen zu mobilisieren?
Jan Steyer Wir wollen den Namen Ernst-moritz-Arndt-Universität abschaffen, haben daher bis zur Urabstimmung vor, mit Infoständen die Menschen zu informieren. Kurz vor der Abstimmung wird es auch einige Plakataktionen geben. Momentan arbeiten wir gemeinsam mit der Pro-Arndt-AG an einer Zeitung, die Argumente für und gegen Arndt beinhalten soll. Außerdem wird es noch einige verbale Zusammentreffen der beiden AGs, wie kürzlich beim Debattierclub, geben.
Marco Wagner Solche Informationsaktionen planen wir natürlich auch. Außerdem wird es ein Streitgespräch mit der Uni-ohne-Arndt AG in Zusammenarbeit mit dem NDR geben. Stattfinden wird es in der Aula der Universität und wird für Publikum offen sein. (weiterlesen…)

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Anhörung vor Senatskommission: für und wider Arndt

12. Dezember 2009 | Von Alexander Kendzia | Kategorie: Top-Themen, Universität, Urabstimmung, Wahlen

von Alexander Kendzia und Gabriel Kords

Am vergangen Freitag fand in der historischen Aula der Universität die wissenschaftliche Anhörung zum Namen der Universität Greifswald durch die Senatskommission statt. Noch einen Tag zuvor, am 10.Dezember, war dazu kurzfristig über den Mail-Verteiler eine Einladung an alle Studierenden der Universität gesendet worden. Dass dies wohl zu kurzfristig war, zeigt die eher geringe Zahl von Studierenden bei der Anhörung, die ungefähr der der anwesenden Lehrstuhlvertreter entsprach. Auch der akademische Mittelbau war in etwa gleich starker Zahl vertreten. Die Anhörung fand lediglich hochschulöffentlich statt, eine Zugangskontrolle erfolgte jedoch nicht. Die Initiative „Uni ohne Arndt“ wies im Vorhinein auf ihrer Internetseite und in einer extra Pressemitteilung darauf hin, dass man unzufrieden sei wie die Senatskommission mit der Auswahl der Experten umgeht (WebMoritz berichtete):

„Bei der Anhörung der Universität Greifswald durch die Senats-Kommission soll anscheinend nur in eine Richtung geprüft werden. Denn die Liste der anzuhörenden Wissenschaftler enthält keine unabhängigen Arndt-Kritiker“ – uni-ohne-arndt.de

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Prorf. Werner Stegmaier (r) und Korbinian Geiger

Prof. Dr. Werner Stegmaier leitete die Veranstaltung zusammen mit StuPa Präsident Korbinian Geiger. Mit einer kleinen Erläuterung der aktuellen Situation begann die Anhörung. Im Vorfeld sei es zu unnötiger Aufregung gekommen.

Man hoffe, dass der restliche Ablauf des Prozesses erfolgreich verlaufe, so der Komissionsvorsitzende Thomas Schattschneider.Die Senatskommission werde zunächst hochschulöffentlich Wissenschaftler zu der Frage anhören, welche wissenschaftlichen, historischen, literaturwissenschaftlichen und gesellschaftlichen Punkte für oder gegen die Beibehaltung des Namens Ernst Moritz Arndts als Namenspatron sprechen. In einem zweiten Schritt soll auch den Bürgern Greifswald im Januar 2010 die Möglichkeit gegeben werden ihre Argumente der Senatskommission vorzutragen. Dann soll es auch um Kriterien wie die regionale Ausstrahlung des Namens gehen.

Stegmaier: Redner ohne Kalkül ausgewählt

Stegmaier fühlte sich offensichtlich aufgrund der Diskussionen im Vorfeld der Anhörung,dazu genötigt darauf hinzuweisen, dass die Redner “ohne Kalkül“ ausgewählt wurden und begründete das Fehlen der angefragten, aber nicht erschienenen Redner damit, dass sie aus zeitlichen Gründen nicht verhindert konnten. Einzige Ausnahme sei hier Prof. Dr. Buchholz, der aufgrund eines Streites mit dem Rektorat seine Meinung nicht äußern wolle. Er nahm allerdings als Zuhörer an der Veranstaltung teil, äußerte sich allerdings auch in der anschließenden Diskussion nicht.

Auch auf die Kritik, dass die Kommission sich selber anhören würde, entkräftete Stegmaier mit dem Hinweis ein, dass dies doch unproblematisch sei, da die Kommissionsmitglieder wissenschaftlich argumentierten. Studenten wurden nicht als Experten geladen, da sie eben noch keine ausgewiesenen Wissenschaftler seien. In der anschließenden Diskussion hätten sie jedoch die Möglichkeit, ihre Argumente der Kommission darzulegen. Stegmaier wies darauf hin, dass egal welche Entscheidung vom Senat über die Namensfrage gefällt werden sollte, große Diskussionen folgen werden.

Die Rednerliste sah wie folgt aus:

  • Prof. em. Karl-Ewald Tietz (Vorsitzender der Ernst-Moritz-Arndt-Gesellschaft e. V.)
  • Prof. Dr. Thomas Stamm-Kuhlmann (Uni Greifswald, Allgemeine Geschichte der Neuesten Zeit)
  • Dr. Irmfried Garbe (Uni Greifswald, Kirchengeschichte)
  • Prof. em. Reinhart Staats (Uni Kiel, Kirchengeschichte)
  • Prof. Dr. Kyra Inachin (Universität Greifswald, Neueste Geschichte sowie Pommersche Geschichte)
  • Dr. Jörg Echternkamp (Historiker, Potsdam)
  • Prof. Dr. Reinhard Bach (Uni Greifswald, Romanistik)
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Das Auditorium zu Beginn der zweiten Halbzeit. Im Vordergrund: Kommissionsmitglieder

Die Anhörung wurde durch die Universität aufgezeichnet. Dass die Aufnahme auch veröffentlicht wird, ist zwar noch nicht ausgeschlossen, aber nach übereinstimmdenden Angaben sehr unwahrscheinlich. Aufgrund der Länge der einzelnen Beiträge verzichtet der WebMoritz darauf, hier alle Positionen darzustellen. Die Debatte verlief aber insgesamt sachlich und konstruktiv, auch wenn sich die verschiedenen Redner sehr unterschiedlich positionierten.

Reinhard Staats und Irmfried Garbe etwa sprachen sich deutlich für Arndt aus, der Militärhistoriker Echternkamp hingen, der im Vorfeld der Diskussion erstaunliche Vermutungen der Uni-ohne-Arndt-Initiative über sich ergehen lassen musste, zeigte zwar ebenfalls positive Seiten Arndts auf, sprach sich aber am Ende explizit dafür aus, den Namen abzulegen und stattdessen ein “interdisziplinäres Zentrum” nach Arndt zu benennen.

Konstruktive Debatte, aber scharfe Kritik an Arndt-Gegnern

Zwei mal gab es für das Publikum Gelegenheit, in offenen Debatten das Wort zu ergreifen. Die Debatten verliefen größtenteils unaufgeregt, hatten aber immer dann unschöne Szenen, wenn über die Initiative “Uni ohne Arndt” gesprochen wurde. Professor Stegmaier wies zwar explizit darauf hin, die Debatte drehe sich um den Namenspatron und nicht um die Art, wie Stimmung für oder gegen ihn gemacht werde, aber dennoch griffen vor allem in der zweiten Debatte mehrere Redner die Arbeit der Initiative an. Professor Bach, der auch in seinem Vortrag die Überzeugung vertreten hatte, der Name könne erhalten bleiben, äußerte sich trotz der “Ermahnung” Stegmaiers explizit über die Initiative und kritisierte, dass es ihr offenbar an der Fähigkeit zum Kompromiss mangele. Stattdessen habe er beim Studium der Homepage der Initiative den Eindruck, die Position der Gruppe werde “immer radikaler.” Auch die Art, wie er persönlich angegriffen werde, kritisierte er deutlich. Manchmal fühle er sich ob der Angriffe “wie der Erfinder von Auschwitz.”

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Prof. Reinhard Bach kritisierte die Initiative "Uni ohne Arndt" scharf.

Zahlreiche Redner der freien Diskussion wiesen aber ausdrücklich auf die zumindest bei der Anhörung sehr sachliche Debatte und angenehme Art des Umgangs miteinander hin. Professor Manfred Matschke kritisierte die gesamte Debatte um den Namen Arndts als “großartige Ablenkung” von eigentlich wichtigen Themen. Zudem kritisierte er, dass viele seiner Kollegen darauf verzichteten, Stellung zu beziehen: “Arndt hatte Charakter. Das würde ich mir von vielen meiner Kollegen auch wünschen.”

Die meisten Aussagen können zur Debatte können bereits im Heft 8 der Ernst Moritz Arndt Gesellschaft nachgelesen werden. Auch das Deutschlandradio war vor Ort und fertigte einen kurzen Beitrag zur Anhörung an. Darin werden die Positionen von Sebastian Jabbusch (“Uni ohne Arndt”) und Dr. Garbe dargestellt. Zur Urabstimmung wird es ein Infoheft geben, das euch mit den Argumenten der Initiativen „Uni ohne Arndt“ und „Arndt AG“ versorgen wird, damit ihr eine Grundlage für eure Entscheidung habt.Ganz abgesehen von den Meinungen der Professoren, Experten und Initiativen lohnt es durch verschiedene Wege sich selbst über die Person Ernst Moritz Arndt zu informieren.

Links:

Fotos: Gabriel Kords

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Arndt-Anhörung: Streit über Auswahl der Experten

8. Dezember 2009 | Von Gabriel Kords | Kategorie: Top-Themen, Uni-Politik

Vor der ersten Expertenanhörung  der Namenskommission des Senats am kommenden Freitag hat sich zu Wochnbeginn ein heftiger Streit über die Neutralität der Kommission entsponnen. Die Initiative „Uni ohne Arndt“ veröffentliche am Sonntag eine Liste mit den Teilnehmern der Veranstaltung, die inzwischen auch offiziell bestätigt ist.

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So illustriert die Initiative ihre Pressemitteilung auf ihrer Website

Die Initiative kritisiert vor allem, dass es keine Arndt-Kritiker unter den Wissenschaftlern gebe und unter andrem auch Teilnehmer der Kommission selbst als Experten auftreten. Der bekannte Arndt-Kritiker Prof. Thomas Stamm-Kuhlmann (Lehrstuhl für neueste Geschichte am Historischen Institut) wird von der Initiative in diesem Kontext indirekt als “nicht unabhängig” bezeichnet. Wieso die von der Initiative als „Arndt-Kritiker“ bezeichneten Professoren, (u.a. Prof. Hubertus Buchstein, Prof. Werner Buchholz und Prof. Herfried Münkler) abgesagt haben, bleibt zurzeit noch offen.

Weiter schlüsselt die Initiative auf, die Greifswalder Experten Dr. Irmfried Garbe (Kirchengeschichte), Dr. Reinhard Bach (Romanistik) und Prof. Dr. Kyra Inachin (Neuste Geschichte) seien selbst Mitglieder der Kommission. Sie folgern: “Hier kann sich die Kommission die gewünschten Statements gleich selbst schreiben.” Von Bach und Garbe sei zudem bekannt, dass sie für Arndt eintreten. (weiterlesen…)

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